Herr Katz

28. Dezember 2011

Herr Katz Kommt an

Katzenlos und allein war mein Status im Sommer 1943. Deborah, meine entzückende Malteserkatze, die bei meinen Eltern in Westchester lebte, war von einem Auto überfahren und getötet worden. Keine Katzenhaare zierten meine Wohnung in Manhattan, kein Kratzer, keine Schramme war an meinen Polstermöbeln. Weder morgens noch abends ertönten gebieterische Rufe nach Aufmerksamkeit und Futter. Es war keine Katze in Meinem Leben – ausgenommen die Erinnerungen an die vielen, die ich seit früher Kindheit gekannt und gehegt hatte. Kurtz: ich sehnte mich nach der sanften Zuneigung, dem munteren Sinn, der Schönheit und Heimeligkeit einer Katze im Haus. Unter diesem Aspekt rief ich eine Bekannte an, die gerade die Tierhandlung der East Side Durchstreifte, da ihr Mann plötzlich eine Leidenschaft für kleine Fische entwickelt hatte. Ich sagte, sie könne vielleicht auch gleich nach einem Perserkätzchen Ausschau halten, das mein Leben zu bereichern und es wieder schmackhaft zu machen vermöge.

Etliche Tage später hörte Ruth beim Betreten eines Ladens in der Second Avenue vage Geräusche von unverkennbar kätzischer Herkunft. Nachdem Ruth sich gewissenhaft den Angelegenheiten ihres Gatten gewidmet hatte, stellte sie diskrete Nachforschungen an und wurde sogleich von Inhaber hinter den Laden geführt, wo er vier winzige Fellbällchen zutage förderte.

»ich hatte sofort das Gefühl«, erzählte sie mir am gleichen Abend, »dass meine Suche vorbei war.« Ich danke ihr höflich, doch behutsam und sagte, ich werde morgen hingehen und sie mir mal ansehen. Was für ein eingebildeter und ahnungsloser Narr war ich! Wenn das Bedürfnis nach Katzengesellschaft so groß war, wie meins es war, geht man nicht einfach hin und sieht sich ein paar Kätzchen »mal an«. Am nächsten Nachmettag, jenem schicksalhaften 2 August 1943, betrat ich dem Laden und fragte, ob auch ich die hier wohnhaften Kätzchen sehen dürfte. Auch ich wurde nach hinten geführt; man zeigte mir einen kleinen Hühnerkorb und ließ mich listigerweise allein. Vier kleine Persianer strömten heraus und erforschten mit glänzenden Augen die Welt. Vier Kleine Persianer, doch nur einer blickte in meine Richtung. Ich strecke versuchsweise einen Finger aus, und zwei weiche Pfötchen klammerten sich an ihm fest. Zufriedenes Schnurren erklang – auf beiden Seiten, vermute ich.